Mehrere Druckereien in einem Unternehmen

Immer wieder kommt es vor, dass Druckereien fusionieren oder Kooperationen zweier oder mehrerer Betriebe zustande kommen. Das Ziel ist in den meisten Fällen eine sichere Marktposition zu erreichen. In vielen Fällen kommt selbst nach Jahren keine einheitliche Identifikation zustande, weil wichtige Weichen nicht oder nur unzulänglich gestellt werden. Noch schwieriger wird es, wenn eine Zusammenführung mehrerer Druckereien alle Beteiligten aus einer Talsohle führen sollen, sozusagen als ein Rettungsweg. Aber auch strategische Zusammenführungen von wirtschaftlich gut aufgestellten Druckereien bedürfen einer vorausschauenden Planung hinsichtlich der Identifikationszusammenführung, bzw. eines neu zu gestaltenten Zugehörigkeitsgefühls.

Der Notartermin ist das Startzeichen

Haben zwei oder mehr Inhaber sich entschlossen in eine gemeinsame Zukunft zu gehen und wenn alle relevanten Parameter im Vertragsentwurf eingepflegt sind, kommt es zum Notartermin. Dieser Termin ist oft ein Schlüsseltermin und entlastet u. U. auch persönlich. Die Luft entweicht und alle Beteiligten sind in guter Stimmung. Alle haben das Gefühl, das Richtige getan zu haben. Sicher ist in den meisten Fällen dieser Art bereits klar, wie der Außenauftritt gestaltet wird und das Budget steht fest – es ist also alles bereit für den Neustart. Im Zuge der ganzen Aktion wird meist die Zusammenführung der Mitarbeiter aus den jeweiligen Betrieben unterschätzt. Ich habe noch nie erlebt, dass alle, die nun für eine Gesellschaft bzw. den neuen Arbeitgeber arbeiten sollen, gleichermaßen zufrieden und beruhigt waren. Die nun Gesamtbelegschaft muss sich neu orientieren. Die Identifikation ist oft näher bei null als bei zehn. Da werden in den Köpfen die groteskesten Annahmen als Ausgangswert bei der Bewertung des Ganzen heraufbeschworen. Da treffen plötzlich ganz unterschiedliche Werteskalen aufeinander. Da gibt es keine gemeinsame Sprache mehr. Da müssen im persönlichen Miteinander die Grenzen der Befindlichkeiten neu ausgelotet werden usw. usw..

Die Koordination

Um relativ zügig zur Erreichung des geplanten Erfolges zu kommen bedarf es spätestens wenn die Absichtserklärung für ein Miteinander vorliegt, der Einsetzung einer Koordinierungsstelle. Dies muss eine Stabsstelle sein, die direkt der Geschäftsführung unterstellt ist. Treffen zwei oder mehr Belegschaften im Tagesgeschäft unvorbereitet aufeinander sind Reibungsverluste unausweichlich – das kostet Zeit, Energie und Geld. Um eine Bildung von “Königreichen“ zu verhindern, ist ein kontinuierliches Arbeiten mit den zusammengefügten Belegschaften unabdingbar. Dieses Ziel sollte bereits vor dem Notartermin definiert und mit einem Plan versehen sein.

Die Koordinierungsstelle hat die Aufgabe, so schnell als möglich aus den verschiedenen Belegschaften wieder eine Mannschaft zu formen. Je nach Größe der neuen Partner müssen auch Teams in kleinerem Umfang aufgebaut werden. Das wichtigste Ziel aber ist das Implementieren des Unternehmensziels in die Köpfe der Mitarbeiter und die Bildung von Teams. Die Koordinierungsaufgabe sollte man nicht in die Hände von Studienabgängern legen, dazu bedarf es Lebens- und Berufserfahrung.

Die Kommunikation als Basis

Das Fundament des neuen Zusammenwirkens ist die Kommunikation. Das entscheidende Element überhaupt. Bei Fusionen zweier oder mehrerer Unternehmen bleibt kein Stein auf dem anderen. Die Ausgangsbasis ist wie bei einer Neugründung zu verorten. Der Nachteil gegenüber einer Neugründung ist das Vorhandensein bestehender Strukturen im Bereich der Mitarbeiter. Da gibt es Befindlichkeiten, die u. U. ihre Ausprägung aus dem regionalen Lebensumfeld erfahren. In Stuttgart wird eben anders empfunden als in Lübeck. Da ist der Aufbau einer internen Kommunikationskultur als vermittelndes Element sehr sinnvoll und macht ein Miteinander überhaupt erst möglich. Trainiert werden müssen gegenseitige Rücksichtnahme genauso wie vorausschauende Bewertungen von Reaktionen des anderen.

Teambuilding

Im Zuge der Vorbereitung von Kooperationen und Fusionen sollte Pläne vorliegen, wie an welchen Standorten sich die jeweiligen Teams personell zusammensetzen und in welcher Form Aufgabenbereiche zusammengefasst werden. Zwei Druckereien an verschiedenen Standorten zusammenzulegen und alles in jedem Betrieb so zu belassen, wie es war, funktioniert nur zu einem bestimmten Prozentsatz. Da müssen Teams neu aufgebaut werden und die Teamleader müssen u. U. neu bestimmt werden. Ansonsten ist die Gefahr übermächtig, dass bei einer weniger guten Entwicklung die Verantwortlichkeit hin und her geschoben wird. Es ist auf jeden Fall sinnvoll einen echten Neustart zu machen und neue Teams zu gründen. Ebenso ist es u. U. überlegenswert, wenn auch Führungskräfte in solchen Prozessen unter Berücksichtigung der neuen Ziele und Notwendigkeiten beleuchtet werden.

Coaching der Führungskräfte

In den meisten Druckereien ist es ganz normal, dass Führungskräfte eine gute Identifikation zum Unternehmen haben. Das ist im Falle von Fusionen ein Faktor, der meist unterschätzt wird. Inhaber oder Geschäftsführer, die die jeweilige Loyalität bisher genießen konnten, gehen meist davon aus, dass diese “zum Betrieb gehören“ einfach bleibt. Wurden die betroffenen Führungskräfte aber nur unzureichend im Vorfeld beteiligt (was manchmal unausweichlich ist), entsteht u. U. beim einen oder anderen eine Art Vakuum. Da entsteht plötzlich neuer Wettbewerb, wenn z. B. der Abteilungsleiter in der einen Druckerei fachlich etwas besser als der andere ist. Das will bewältigt werden. Da kommt es vor, dass Kundenbetreuer in der einen Druckerei sich nicht so engagieren, wenn es um Kunden des anderen Betriebes geht.

Hier kann man nur den Rat geben, Führungskräfte müssen bei Zusammenschließungen separat vorbereitet und begleitet werden.

Unternehmensziel

Vor der Bekanntgabe einer Zusammenführung ist die Definition eines Unternehmensziels der neuen Einheit festzulegen und schriftlich zu fixieren. Inhaltlich sollte sich das Unternehmensziel nicht auf Umsatz- oder Ergebniszahlen beschränken, sondern auch, was das in der Umsetzung bedeutet. Insbesondere die Führungskräfte der beteiligten Betriebe müssen das Unternehmensziel als etwas Erreichbares wahrnehmen und die Wege dorthin als sinnvoll erachten. Die Vergangenheit in der Druckindustrie hat gezeigt, dass man durch eine Fusion aus zwei Kranken keinen Gesunden machen kann. Manchmal lag es sicherlich auch an der mangelhaften Vorbereitung und einem fehlenden Plan für den wichtigen Parameter, die Mitarbeiter!

Fazit: Eine Fusion in Form von partnerschaftlicher Kooperation macht durchaus Sinn, will aber präzise vorbereitet sein. Das Ziel einer wirtschaftlich guten Position erreicht man aber nur mit den Menschen und deren Mitarbeit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.